Hans Joas: Menschenrechte

17. Oktober 2012 (20:00 Uhr - Horns Erben)
Hans Joas

„Nur dann können wir uns mit der Vielfalt der Gattung Mensch und den Unterschieden unter den Menschen aussöhnen […], wenn wir uns wie durch eine außergewöhnliche Gnade bewußt werden, daß Menschen die Erde bewohnen und nicht der Mensch,“ hat Hannah Arendt in The Burden of Our Time geschrieben. Hans Joas knüpft an diese große Philosophin an. In seinem 2011 erschienenen Buch Die Sakralität der Person. Eine neue Genealogie der Menschenrechte zeigt er, dass der Glaube an die universale Menschenwürde weder nur dem jüdisch-christlichen Erbe entstammt noch eine Erfindung der Aufklärung ist. Die Menschenrechte sind vielmehr das Resultat eines langen kulturübergreifenden Gespräches über Werte, in dessen Vollzug jeder einzelne Mensch zunehmend als heilig betrachtet wurde. Joas erzählt in diesem ‚wunderbaren Buch‘ (DIE ZEIT) nicht nur die Entstehungsgeschichte der Erklärung der Menschenrechte nach, sondern beschreibt auch in exemplarischen Studien komplexe kulturelle Diskurse, die zu einem veränderten Wertverständnis geführt haben. Damit knüpft der Sozialphilosoph nahtlos an sein Vorgängerwerk Die Entstehung der Werte (1997) an. – Aber ist das das letzte Wort zum Thema?

Hans Joas war bis 2011 Leiter des Max-Weber-Kollegs in Erfurt und ist derzeit Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS). Im Sommersemester hatte Joas als erster Wissenschaftler die neu geschaffene Gastprofessur der Josef Ratzinger Pabst Benedikt XVI. Stiftung an der Universität Regensburg inne.

Das neue Buch von Hans Joas zeigt gleichwohl auf bemerkenswerte Weise, wie kreative Versuche, religiöse Erfahrungen unter Bedingungen moderner liberaler pluralistischer Gesellschaften neu zu formulieren, menschenrechtlich produktiv sein können. … Hans Joas‘ wichtigstes Buch enthält eine wertvolle und wohlabgewogene Darstellung, wie die Idee der Menschenwürde und der Menschenrechte aus einer sich wechselseitig inspirierenden Parallelaktion säkularen und religiösen Denkens, Interpretierens und Handelns entstehen konnten.“ (Süddeutsche Zeitung)