
Selbstzeugnisse sind Zeitzeugnisse. Aufgrund ihrer Nähe zu den geschichtlichen Ereignissen sind solche persönlichen Tagebücher und Notizen in besonderem Maße geeignet, Vorstellungen, Konzepte von Personen, Erfahrungs- und Handlungsdimensionen von Individuen historisch aufzuarbeiten. Dies gilt ganz besonders für die erste digitale Edition der Datenbank mit dem Titel “Digitales Archiv mitteldeutscher Selbstzeugnisse der Zeit des Dreißigjährigen Krieges” (http://www.mdsz.thulb.uni-jena.de/), wie sie seit einigen Jahren von der Erfurter Universität in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Geschichte Göttingen und der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha betrieben wird. Die nunmehr jederzeitige Handhabbarkeit generiert neue Auswertungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten. Damit wird die Endgültigkeit von Editionen und Interpretationen als Illusion entlarvt und der Anspruch auf wissenschaftliche Wahrheit selber historisch verortet. Hans Medick berichtet im Gespräch mit dem Thomasius-Club, wie dieses Projekt ins Leben gerufen wurde, welche Schwierigkeiten es dabei gab und wo die Erkenntnischancen dieser neuen historischen Werkzeuge liegen.
Prof. Dr. Hans Medick war von 1999-2004 Leiter der Arbeitsstelle Historische Anthropologie des Max-Planck-Instituts für Geschichte an der Universität Erfurt. Für sein Buch „Weben und Überleben in Laichingen 1650-1900. Lokalgeschichte als Allgemeine Geschichte“ bekam er den Renée-Kuczynski-Preis für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte verliehen.




