Robert Pfaller: Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur

17. Juni 2009 (20:00 Uhr - Horns Erben)
Robert Pfaller

Der Philosoph und Kulturwissenschaftler Robert Pfaller war am 17. Juni im 2009 Thomasius-Club zu Gast. Er lehrt an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz sowie an der TU Wien. In seinem Buch Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft (S. Fischer 2008) nimmt er unter anderem am Beispiel des Rauchens und anderer „unvernünftiger“ Rituale die für ihn von Sterilität und reiner Vernunft geprägte Gegenwartskultur unter die Lupe. In Pfallers Analyse sind mit dem „alltäglichen Heiligen“ Dinge gemeint wie kleine Tabakzeremonien, das Küssen eines Fotos einer geliebten Person, das Einreden auf das nicht startende Auto ebenso wie das Lesen von Horoskopen und das Interesse am „Glamour der Stars“. Solche Handlungen sind nicht immer edel und rein, sondern gelegentlich auch schmutzig und schlecht. Es sind meist von ihren Ursprüngen entfremdete Versuche zu „zaubern“ in dem Bewusstsein, dass man es nicht kann. Pfaller wird in seinem Buch laut „taz“ durchaus leidenschaftlich und „streckenweise gerät das gar zur zornigen Kulturkritik, die zähnefletschend die Biopolitik des Rauchverbots angreift. Pfaller zielt auf eine Verteidigung der Lust und will die Vernunft als wahre Vernunft in jene Schranken weisen, innerhalb derer sie auch etwas verloren hat“.