Robert Pfaller: Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur

Robert Pfaller: Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft. Symptome der Gegenwartskultur

17. Juni 2009 (20:00 Uhr – Horns Erben)

Der Philosoph und Kulturwissenschaftler Robert Pfaller war am 17. Juni im 2009 Thomasius-Club zu Gast. Er lehrt an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz sowie an der TU Wien. In seinem Buch Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft (S. Fischer 2008) nimmt er unter anderem am Beispiel des Rauchens und anderer „unvernünftiger“ Rituale die für ihn von Sterilität und reiner Vernunft geprägte Gegenwartskultur unter die Lupe. In Pfallers Analyse sind mit dem „alltäglichen Heiligen“ Dinge gemeint wie kleine Tabakzeremonien, das Küssen eines Fotos einer geliebten Person, das Einreden auf das nicht startende Auto ebenso wie das Lesen von Horoskopen und das Interesse am „Glamour der Stars“. Solche Handlungen sind nicht immer edel und rein, sondern gelegentlich auch schmutzig und schlecht. Es sind meist von ihren Ursprüngen entfremdete Versuche zu „zaubern“ in dem Bewusstsein, dass man es nicht kann. Pfaller wird in seinem Buch laut „taz“ durchaus leidenschaftlich und „streckenweise gerät das gar zur zornigen Kulturkritik, die zähnefletschend die Biopolitik des Rauchverbots angreift. Pfaller zielt auf eine Verteidigung der Lust und will die Vernunft als wahre Vernunft in jene Schranken weisen, innerhalb derer sie auch etwas verloren hat“.


Bernhard Siegert: Passagiere und Papiere. Schreibakte auf der Schwelle zwischen Spanien und Amerika (1530-1600)

Bernhard Siegert: Passagiere und Papiere. Schreibakte auf der Schwelle zwischen Spanien und Amerika (1530-1600)

21. Februar 2007 (20:00 Uhr – Horns Erben)

Am 21.Februar 2007 war Bernhard Siegert zu Gast, der in seinem Buch „Passagiere und Papiere. Schreibakte auf der Schwelle zwischen Spanien und Amerika (1530-1600)“ die bisher kaum erforschte staatliche Erfassung auswanderungswilliger Spanier im 16. Jahrhundert untersucht, die mit Ausreiseanträgen, Verhörsprotokollen, Zeugenaussagen, Passagierlisten etc. immense Ausmaße annahm. Für den Kulturwissenschaftler, der an der Bauhaus-Universität Weimar Professor ist, verkörpert der so erstmals registrierte Passagier und Bürger nichts weniger als die Keimzelle des modernen Staates. Diese auch unterhaltsam geschriebene Kulturgeschichte des Passagiers zeigt außerdem, wie der gute Staatsbürger auch damals schon nicht auszusehen hatte: „Unzweifelhaft hatte man sich vom Müßiggänger, Abenteurer, Vagabunden, vom Juden, Muslimen, Mauren und konvertierten Christen zu unterscheiden.“ Daniel Jütte pries Bernhard Siegerts Studie in der Neuen Züricher Zeitung als „kleines, aber feines Meisterstück“.