Michaela Ott: Der blinde Fleck

Michaela Ott: Der blinde Fleck

02. Dezember 2020 (20:00 Uhr – Zoom/Publikum via Livestream)

Michaela Ott ist Professorin für Ästhetische Theorien an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg: Ihr jüngstes Buch prüft französische Theorien, welche die Philosophie an die Grenzen des Denkbaren und Sagbaren treiben wollten. Michaela Ott fragt nach der methodischen Farbenblindheit und Taubheit des philosophischen Denkens und die schwer nachvollziehbare Ausblendung migrantischer und postkolonialer Positionen. Sie fragt damit auch nach Arten des ›Übersehens‹ in der zeitgenössischen Theorie.

Wolfgang Fach: Trump und Traum

Wolfgang Fach: Trump und Traum

14. Oktober 2020 (20:00 Uhr – Zoom/Publikum via Livestream)

Der amerikanische Präsident Donald Trump beschäftigt Journalisten und Politologen weltweit. Man fragt sich, wie er zur Macht kam, wie er regiert und was wir daraus für demokratische Staatswesen lernen können. Wolfgang Fach analysiert in seinem jüngsten Buch (Trump, ein amerikanischer Traum? Warum Amerika sich verwählt hat) die Lage und schaut in die amerikanische Geschichte: Können 200 Jahre politische Kultur einfach entsorgt werden? Oder ist Trump viel besser als amerikanischer Politiker zu erklären, als wir es uns denken? Wir fragen nach in aufgeheizten Zeiten, denn die Neuwahl des US-Präsidenten steht im November 2020 an.

David Engels: Auf dem Weg ins Imperium – Die Krise der EU und der Untergang der Römischen Republik

Steht die Europäische Union vor einem ähnlich spektakulären Systemwechsel wie einst die späte Römische Republik? Ja, sagt der deutsch-belgische Historiker David Engels. Anhand des Wertekanons, den der Autor als Säule europäischer Identität erachtet und den er in seinem Wandel und seinen gesellschaftlichen Effekten analysiert, vergleicht er verschiedene Aspekte der Identitätskonstruktion der Europäischen Union mit Krisensymptomen der ausgehenden Römischen Republik – und zieht dabei beunruhigende Parallelen. Mündet die Sinnkrise in den Prozess einer Selbstabschaffung Europas? Engels entwirft nach historischem Vorbild zwei Alternativen: die schwächende Rückkehr zum Nationalstaat oder die Einigung der europäischen Länder in einem zwar gestärkten, aber zugleich autoritären und wertkonservativen Zivilisationsstaat! Engels Prognosen werden mit geteilten Gefühlen aufgenommen: handelt es sich hierbei um die Klage eines Kulturkritikers über den Verfall traditioneller Werte wie Familiensinn und gesellschaftlicher Solidarität oder zeigt Engels in aller Deutlichkeit den Fluchtpunkt einer sich selbst überholenden Konsumgesellschaft mit der Relativität ihrer Weltanschauungen und rechnet uns aus, was Europa zu zahlen haben wird, um das Selbstbewusstsein seiner Identität auch in Zukunft zu erhalten?

David Engels, Jahrgang 1979, ist seit 2008 Inhaber des Lehrstuhls für Römische Geschichte an der Universität Brüssel (ULB) und seit 2012 Direktor der altertumswissenschaftlichen Zeitschrift Latomus. 2013 veröffentlichte er in Paris das Buch ‚Le déclin‘, das in Frankreich für eine lebhafte Debatte über die Frage sorgte, ob auch die Europäische Union, genau wie die spätrömische Republik, einer Zeit der Bürgerkriege und der Transformation in ein autoritäres Regime entgegengehen wird.

Bei der Moderation wird Bettina Kremberg von Michael Holzwarth unterstützt.