Johannes Grave: Macht der Bilder

v. l. n. r.: Ringo Rösener Johannes Grave, Uta Karstein

31. Januar 2024 (20:00 Uhr – Café Alibi)

Können Bilder Macht auf ihre Betrachter ausüben? In seiner neuen Bildtheorie zeigt Johannes Grave, dass Bilder uns in zeitliche Prozesse verstricken, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen, aber neue Denkräume eröffnen. Vor allem durch ihre Struktur und Gestaltung beeinflussen Bilder die Wahrnehmung und damit auch unsere Zeiterfahrung. Anders als bei einem Text scheint beim Bild alles auf den ersten Blick gegenwärtig zu sein.
Tatsächlich aber sind in Bildern verschiedene Zeitebenen miteinander verschränkt – so z. B. die Zeitspanne, die man vor dem Werk verbringt, die im Bild dargestellte Zeitlichkeit oder die Alterung des Bildträgers. Die Wahrnehmung von Bildern lässt sich daher nicht als simultane Schau eines gegebenen Ganzen verstehen, sondern vollzieht sich in einer eigenen Zeit. Der Thomasius Club fragt nach, wie Bilder die Zeit ihrer Betrachtung beeinflussen und wie Betrachter:innen deshalb in ihre Fänge geraten.

Johannes Grave ist Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2020 wurde er für seine Forschungen zur Renaissance und zur Kunst um 1800 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet.

Moderation: Uta Karstein und Ringo Rösener