Steffen Mau: Wandel im Osten

Steffen Mau: Wandel im Osten

Mit seinem jüngsten Buch »Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft« kehrt der Berliner Soziologe Steffen Mau in das gleichnamige Rostocker Neubauviertel zurück, in dem er in den 1970er Jahren aufgewachsen ist. Für seine Untersuchung sprach er mit Dagebliebenen und Weggezogenen. Entstanden ist eine viel besprochene Studie, die erhellende Einblicke in Strukturen und Mentalitäten Ostdeutschlands bietet.
Wir fragen nach, was die DDR mit dem Heute zu tun hat und warum es auch für Soziolog*innen sinnvoll ist, in die Vergangenheit zurückzublicken, um gegenwärtige Fragen zu beantworten.

Patrice G. Poutrus: Geschichte des Asyls

Patrice G. Poutrus: Geschichte des Asyls

23. September 2020 (20:00 Uhr – Café Alibi/Publikum via Livestream)

Das politische Selbstverständnis im Umgang mit Migranten muss immer wieder neu ausgehandelt werden. Der Wille zur Offenheit und Solidarität mit flüchtenden Menschen ringt mit der Furcht vor dem Fremden. Diese Ambivalenz lässt sich besonders an den Debatten um das Asylrecht ablesen. So verschiebt sich jenes Recht politisch Verfolgter im gerichtlichen Anerkennungsverfahren zu einer Nachweispflicht, der eine Bemühung, dieses Recht vorzuenthalten, entgegensteht. Patrice Poutrus zeichnet dieses Schwanken der politischen Haltung zwischen humanitärer Hilfe und wirtschaftlichem Pragmatismus in seinem Buch „umkämpftes Asyl“ nach. Wir wollen uns mit dem Autor darüber unterhalten, worin die Erschwernisse liegen, um Geflüchtete als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen und wie sich die Forderung nach Integration, hinter der sich oft die Erwartung nach ‚vorbildhaftem Verhalten‘ der aufgenommenen Person verbirgt, im Spiegelbild normativer Konflikte in der eigenen Gesellschaft bewerten lässt.

Judith Siegmund: Zweck und Zweckfreiheit

Judith Siegmund: Zweck und Zweckfreiheit

12. Februar 2020 (20:00 Uhr – Café Alibi)

In der ästhetischen Theorie der letzten Dekaden ist die von Kant herkommende ‚Zweckmäßigkeit ohne Zweck‘ aus der Analytik des Schönen oft als eine Funktionsfreiheit der Künste verstanden worden. Aktuelle Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst und ihrer Rezeption zeigen aber, dass dieses Verständnis nicht zwingend haltbar ist. In Ihrem Buch „Zweck und Zweckfreiheit. Zum Funktionswandel der Künste im 21. Jahrhundert“ analysiert Judith Siegmund die Geschichte des philosophischen Begriffs Zweck und setzt ihn in ein Verhältnis zu aktuellen Kunstdiskursen. Sie prüft dabei, ob das Dogma einer Funktionslosigkeit der Kunst in der Gesellschaft noch Geltung besitzt.

Judith Siegmund ist Philosophin und Bildende Künstlerin, seit 2018 hat sie eine Professur für Gegenwartsästhetik an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Im Gespräch werden wir fragen, ob und inwieweit sich Funktionen von Künsten in Gesellschaften verändern und welche Funktionen Künsten aus philosophischer und soziologischer Perspektive heute zukommen.